
Sie brauchten Platz, und der Wissenschaftspark (WIP) konnte ihn bieten – aus solch profanen Gründen siedelte sich 2001 ein Teilbereich der Universität auf dem Petrisberg an. Inzwischen haben sich die Biogeographie um den Lehrstuhl von Prof. Paul Müller und die Ökotoxikologie um den Stiftungslehrstuhl von Prof. Brunhilde Blömeke etabliert. Sie werben erfolgreich Drittmittel ein und verknüpfen universitäre Forschung mit politischer Praxis. Die Studenten werden früh in Forschungsprojekte eingebunden und haben die Chance, sich gleich nebenan selbstständig zu machen.

Doch was bedeutet das nun genau: Biogeographie und Ökotoxikologie? Biogeographen forschen dort, wo sich Geographie und Biologie überschneiden. Sie befassen sich mit der Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten in bestimmten Landschaften. Die Ökotoxikologie untersucht, wie chemische Stoffe auf Ökosysteme und den Menschen wirken. Beide Fächer ergänzen sich gegenseitig und arbeiten deshalb in Trier eng zusammen.

Gemeinsam betreuen sie auf dem Petrisberg die Umweltprobenbank des Bundes, des wichtigsten Auftraggebers des Projekts. In ganz Deutschland werden Proben gesammelt und in flüssigen Stickstoff eingelegt, um dann in Trier genetisch, auf Bakterien und andere Kleinstlebewesen sowie auf chemische Belastungen untersucht zu werden.
Ein zweites wichtiges Forschungsgebiet dieses Projekts ist die Kryotechnik, die sich mit der Frage beschäftigt, wie man Zellen richtig einfriert. Bei Einzellern ist das kein größeres Problem, aber bei mehrzelligen Organismen eine große Herausforderung, wenn nach dem Wiederauftauen beispielsweise ein Organ noch funktionieren soll. Der dritte Teil der Umweltprobenbank sammelt Stammzellen. „Hier wird eine Art frozen zoo geschaffen mit Stammzellen von bedrohten Tier- und Pflanzenarten und der Grundidee, diese auch wieder lebensfähig auftauen zu können“, erklärt Prof. Müller. Über 20 Wissenschaftler arbeiten in diesem Bundesprojekt.
Ein weiterer Bereich, den Prof. Müller mit seinen Mitarbeitern bearbeitet, sind technische Umweltgütebewertungen und Kryotechnik für Lebensmittel: „Wie kann ich einen Kabeljau so einfrieren, dass er nach 20 Jahren noch wie Kabeljau herauskommt“, illustriert Prof. Müller die entscheidende Frage der Kryotechnik. Hier liegt der Schwerpunkt auf der technischen Seite.
Außer der Kryotechnik gibt es noch weitere wichtige Forschungsbereiche. „Was wirkt wirklich und wie genau?“, fragen sich Prof. Müller und seine Mitarbeiter angesichts von Krankheiten wie H5N1 und BSE, aber auch ganz normalen Lebensmitteln und Kosmetika. Hier kooperieren die Wissenschaftler eng mit der Ökotoxikologie, vertreten durch den Lehrstuhl von Prof. Brunhilde Blömeke. Während sich die Ökotoxikologie mit menschlichen Zellen befasst, arbeiten die Biogeographen nur mit tierischen Zellen, vor allem dem Wurm Caenorhabditis elegans. Dieser hat 954 Zellen und sein Genom ist bekannt genug, um viele Wirkungen an ihm untersuchen zu können.

Der dritte Bereich untersucht grundlegende genetische Zusammenhänge. So können zum Beispiel Wanderungszüge von Menschen und Tieren an den Genen nachvollzogen werden. Aber auch das einzelne Individuum ist genau identifizierbar, was von der Umweltforensik genutzt wird. Die Trierer Biogeographen haben sich seit einiger Zeit auf diese Kriminaltechnik spezialisiert und bekommen regelmäßig Aufträge. So können zum Beispiel bei Wildunfällen anhand eines Haares die Tierart, aber auch einzelne Tiere exakt bestimmt werden. Betrugsversuche werden aufgedeckt, wenn beispielsweise ein Unfall mit einer Wildsau bei der Polizei angezeigt wird, die Haare auf dem Auto allerdings von einem Elch stammen.
Besagter Elch konnte im konkreten Fall anhand von Nikotinrückständen im Haar als starker Raucher identifiziert werden und wurde schließlich als Wandschmuck in einer Kneipe gefunden. Auch ein Hund, der in Berlin in ein Auto gelaufen war, konnte über seine Haare identifiziert werden. Für Autoversicherer durchaus lohnenswerte Untersuchungen, denn so kann eventuell die Haftpflichtversicherung des Hundes für den Schaden aufkommen. Sogar mit dem Bundeskriminalamt wird immer mehr zusammengearbeitet, um Verbrechen aufzuklären.
Text: Christine Prokopf und Katrin Peters
Fotos: Katrin Peters