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Kinderbetreuung mit Hindernissen

Der Petrisberg in Trier als eines der attraktivsten Neubaugebiete der Stadt hat viele Gesichter – auch für Kinder: Spielplätze, Skaterpark und bald sogar eine Tanzschule. Eigentlich eine runde Sache, wäre da nicht die fehlende Kinderbetreuung. Ein Problem das viele Eltern kennen. Insbesondere die, die auf dem Petrisberg wohnen oder arbeiten.

Mit verstohlenem Blick schaut ein Mädchen durch den geschwungenen Schlitz eines Klettergerüsts.
Wie dieses kleine Mädchen steht auch die geplante Kinderbetreuungsstätte auf dem Petrisberg vor einem Hindernis.
Zusammen mit dem Arbeitskreis Montessori und der EGP hat Achim Hettinger ein Konzept für den geplanten Kindergarten auf dem Petrisberg ausgearbeitet.
Achim Hettinger, Leiter des Jugendamtes in Trier.

Momentan nutzen diese Eltern Kindergärten, die rundherum liegen – an der Universität oder den deutsch-französischen Kindergarten in der Burgunderstraße. Doch gerade letzterer sei hoffungslos überbucht, bestätigt Achim Hettinger, Leiter des Jugendamtes in Trier. Der Bedarf an Betreuungsplätzen auf dem Petrisberg als neuer kleiner Stadtteil sei daher auf jeden Fall vorhanden. Herausgefunden hat dies die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP). Sie hat insgesamt 140 Fragebögen an die Anwohner verteilt, hinzu kam eine Mailing-Aktion an die Arbeitnehmer des Wissenschaftsparks. Rund 65 Haushalte beteiligten sich an der Befragung, so dass der derzeitige Bedarf ermittelt werden konnte. Demnach werden sowohl Krippen- als auch Kindergartenplätze benötigt, um eine ganzheitliche Betreuung für Kinder bis sechs Jahre zu gewährleisten.

EGP unterstützt den Wunsch nach baldiger Einrichtung einer Kindertagesstätte

Ein Architekt hat sich die Räume bereits angesehen und Vorschläge zum Umbauen gemacht.
In diesem Gebäude soll der geplante Kindergarten vorerst untergebracht werden.

„Wir sind vor allem daran interessiert, eine kostengünstige und arbeitszeitfreundliche Unterbringung von Kindern auf dem Petrisberg zu ermöglichen“, sagt Melanie Baumeister von der EGP. Ein Architekt habe sich das Gebäude, in dem die Kindertagesstätte vorerst untergebracht werden soll, bereits angeschaut und Vorschläge zur Optimierung der Räumlichkeiten gemacht. „Am liebsten wäre es uns, der Umbau hätte schon gestern begonnen“, betont Norman Habermann von der EGP den Wunsch nach einer baldigen und gesicherten Betreuung für die Kinder von Anwohnern und Arbeitnehmern. Angetan von der Idee sind auch die Varietébesitzer Volker Justinger und Peter Nuhn. Beide könnten sich durchaus vorstellen, dass die Kinder ihren Multifunktionsraum mitbenutzen. Zudem passe die Arbeit auf der Bühne - wie Krippenspiele und Aufführungen - gut in das geplante Montessori-Konzept.

Bundesgesetz fordert neue Krippenplätze

Eine optimale Kinderbetreuung ist gerade für arbeitende Eltern das A und O.
Buntstifte und Papier und ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Denn wie die Kindertagesstätte auf dem Petrisberg genau aussehen soll, das haben EGP, der Arbeitskreis Montessori und das Jugendamt der Stadt Trier gemeinsam erarbeitet. „Das Konzept sieht zwei Gruppen vor: Zehn Krippenplätze für Kleinkinder bis drei Jahre sowie 25 Kindergartenplätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren, wobei davon vier bis sechs Plätze für Zweijährige bereitstehen sollen“, erläutert Achim Hettinger das Modell. Dies ist notwendig, weil ein neues Bundesgesetz die Städte und Gemeinden verpflichtet, bis 2010 vor allem neue Krippenplätze zu schaffen. „Der Anspruch auf einen Kindergartenplatz besteht bereits, bis in vier Jahren soll jedes Kind auch noch Anspruch auf einen Krippenplatz haben“, erklärt Hettinger. Für die Stadt Trier bedeute dies, dass jedes Jahr flächendeckend 70 neue Plätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden müssen.

Leere Kassen gefährden die neue Kinderbetreuungsstätte

Ein entsprechender Antrag mit dem Konzept liegt dem Stadtrat bereits vor. Dieser muss die endgültige Entscheidung über die neue Kinderbetreuungsstätte auf dem Petrisberg treffen. „Eine Entscheidung ist erst nach der Sommerpause zu erwarten“, sagt Hettinger. Der erhoffte Eröffnungstermin am 1. Januar 2007 gerät damit ins Wanken, weil allein die geplanten Umbauarbeiten vier Monate in Anspruch nehmen. Für den Stadtrat sei die Entscheidung ohnehin nicht leicht, weil die neue Betreuungsstätte zwar gebraucht werde, aber dafür kein Geld im Haushalt eingeplant sei. Dass noch nichts in trockenen Tüchern ist, bestätigen alle Beteiligten. Das Warten und Hoffen auf eine baldige Entscheidung zugunsten des neuen Kindergartens hat begonnen.

Nach der Sommerpause entscheidet der Stadtrat, ob ein neuer Kindergarten auf den Petrisberg kommt oder nicht.
Abwägen heißt es nicht nur beim Stadtrat, sondern auch beim Spielen im Kindergarten.

Text: Judith Köhler
Fotos: Judith Köhler