
Im neuen Künstlerhaus auf dem Petrisberg geht alles Hand in Hand. Mitten im Wissenschaftspark ergänzen sich Varieté, Tanzstudio, Schauspiel- und Thai-Chi-Schule unter einem Dach zu einem vielfältigen Kulturangebot.

Hinter dem Kulturprojekt steckt ein ausgeklügeltes Marketingkonzept und die Initiative zweier Männer. Varieté-Inhaber Volker Justinger (37) und Unternehmensberater Peter Nuhn (40) sind seit Oktober 2005 Mieter des ehemaligen Mannschaftsheims der französischen Kaserne in der Max-Planck-Straße und bauen es kontinuierlich um. Um das Herzstück des Hauses, dem Varieté-Theater „Chat Noir“, fanden sich schnell weitere Kooperationspartner aus den Bereichen Tanz, Schauspiel und asiatischer Bewegungskunst zusammen.
Volker Justinger und Peter Nuhn (von links)
Während sich für Volker Justinger mit der Eröffnung des Gebäudekomplexes um das Varieté ein Lebenstraum erfüllt, sichert der Unternehmensberater Peter Nuhn die Wirtschaftlichkeit des gemeinsamen Vorhabens. Seitdem beide das Gebäude mieten, hat nicht nur Peter Nuhn das Büro seiner Unternehmensberatung in das Haus verlegt, auch die Wohnungen der Initiatoren befinden sich im ersten Geschoss.
In den roten Samtsesseln des „Chat Noir“ sollen ab dem 15. September bis zu 120 Gäste unterhalten werden. Jeden Freitag wird dort der Vorhang für ein buntes, professionelles Varietéprogramm aus Tanz, Artistik und Comedy fallen. Besucher können sich an der Bar im Foyer mit einem Aperitif auf den Abend einstimmen. Die musikalische Unterstützung kommt dabei von einer hauseigenen Band. Das auf dem Petrisberg angesiedelte Restaurant Monte Petris liefert Speisen oder gestaltet ein passendes Büffet. „Hier geht alles Hand in Hand“, bestätigt Varieté-Direktor Justinger. „Wir sehen unseren Job darin, die Möglichkeiten, die sich auf dem Petrisberg bieten, zu kombinieren.“
Im Januar 2006 wagte Patricia Meier, Inhaberin des gleichnamigen Tanzstudios, den ersten Schritt. Sie zog mit ihrer Tanzschule aus der Stadt in die erste Etage des Kulturhauses auf dem Petrisberg. Ein Wagnis, da der Stadtteil mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer noch mühselig zu erreichen ist. „Die neuen Umstände haben dazu geführt, dass die Kursteilnehmer oder deren Eltern Fahrgemeinschaften gründeten“, erläutert die 34 jährige Tanzlehrerin.

„Schüler habe ich durch den Umzug kaum verloren, im Gegenteil. Es sind noch Anwohner des Petrisbergs zu den Kursen hinzugekommen.“ Es ist ihr anzumerken, dass sie sich im großen verspiegelten Tanzsaal wohlfühlt. Deutlich hebt sie die Möglichkeit hervor, die Bühne des Varietés für ihre Tanzaufführungen benutzen zu können.
Tatsächlich scheinen alle Parteien im Wissenschaftspark auf dem Petrisberg eng miteinander zu kooperieren. So bietet die Tai-Chi-Dao–Schule im Haus den Arbeitskräften der umliegenden Büros an, in der Mittagspause bei Qigong-Übungen zu entspannen. Am Abend lässt sich beim Business-Stammtisch an der Bar des „Chat Noir“ das berufliche Netzwerk ausbauen.
Vor allem aber zeichnet sich innerhalb des Künstlerhauses ein starker Synergie-Effekt ab: Während die Kinder im Tanzstudio sind, wird den wartenden Müttern asiatische Meditation angeboten. Die vielfältigen Angebote seiner Mietpartner will auch Raimund Rosendorff, zukünftiger Betreiber des „Studios der Schauspielkunst Trier“, in sein eigenes Konzept mit einbeziehen. Auf dem Stundenplan seiner Schüler werden ab dem Wintersemester 2007/2008 neben Fächern wie Improvisation und Sprecherziehung auch Standardtanz und Qigong zu finden sein. Den Unterricht übernehmen dann die Experten in dem Kreativ-Haus.
Rosendorff, derzeit Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Düsseldorfer Operette, will seinen Schauspielschülern binnen sechs Semestern eine profunde und praxisnahe Schauspielausbildung zukommen lassen, die mit dem Zeugnis der „Bühnen- und Filmreife“ abschließen wird. „Ich will die Schüler so früh wie möglich an die Realität der normalen Bühne bringen“, erläutert der gelernte Schauspieler seine Philosophie. „Nichts bietet sich da besser an, als regelmäßige Aufführungen auf der Bühne des Varietés 'Chat Noir'.“

Mit den zwei Bühnen im Stadttheater, den Antikenfestspielen im Sommer sowie den weiteren Bühnen in Kulturzentren wie etwa der TUFA verfügt Trier bereits über eine Reihe von Angeboten. Dennoch ist Gerhard Weber, Intendant des Trierer Stadttheaters, davon überzeugt, dass das Zentrum auf dem Petrisberg eine Bereicherung für die Stadt ist. „Ob ein solches Projekt Zukunft hat, hängt von der Eigendynamik seines Programms ab“, sagt Weber. „Wenn andere Schwerpunkte gesetzt werden, entsteht keine Konkurrenzsituation - dann bedeutet die neue Bühne: ‚Leben für alle’.“
Bedenken äußert er allerdings hinsichtlich der Lage: „Der Ort ist natürlich heikel, da das Gebäude nicht zentral liegt.“ Freunde des Schauspiels müssen derzeit noch ihr Auto bemühen, wenn sie nicht ihren Abend mit einem ausgedehnten Spaziergang zum Petrisberg beginnen wollen. Schaut man sich während einer Vorstellung aber auf dem Platz vor dem Stadttheater um, so scheint das für Zuschauer allgemein die beliebteste Anreisemethode zu sein. Hier besticht der Petrisberg mit jeder Menge kostenloser Parkplätze vor den Bürogebäuden, die abends für Besucher freigegeben sind.
Text: Jana Schudrowitz
Fotos: Judith Köhler und Katrin Peters