
Eine große Vision stand zu Beginn des Wissenschaftsparks (WIP) auf dem Petrisberg: Die dort angesiedelten Firmen sollten mit der nahen Universität und der Fachhochschule eng zusammenarbeiten. Das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Enineering stellte bereits 2004 in einem Gutachten fest, dass die Voraussetzungen für eine fruchtbare Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Petrisberg vorhanden sind. Das Zusammenwachsen braucht Zeit, aber nach den ersten zwei Jahren sind bereits viele Kontakte entstanden.

Ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Eingliederung eines wissenschaftlichen Instituts in die Firmenlandschaft auf dem Petrisberg ist das Fach Biogeographie, das zur Universität Trier gehört. Der Aufbaustudiengang wurde 2001 im WIP gegründet. „Das war der einzige Ort, an dem eine Unterbringung der Lehr- und Forschungskapazitäten der Biogeographie in vernünftiger räumlicher Entfernung von der Uni möglich war“, sagt Dr. Klaus Hembach, Kanzler der Universität Trier. Inzwischen haben sich aus dem Studiengang einige Unternehmen entwickelt, die das wissenschaftliche Know-how mit ihren Büros im WIP vermarkten.
Auch aus anderen Fachbereichen entschließen sich immer wieder Studierende oder Absolventen zum Schritt in die Selbstständigkeit. Junge Firmengründer mit besonders technologieorientierten und innovativen Ideen werden vom Technologiezentrum Trier (TZT) unterstützt. Dieses ist mit seinen so genannten Inkubatorräumen inzwischen auch im WIP ansiedelt, so dass sich Anknüpfungspunkte zwischen der Universität und den Firmen dort fast von allein ergeben. „Bei der Arbeit fällt einem irgendwann auf: das wäre doch ein Bereich, in dem man mit der Uni zusammenarbeiten könnte“, sagt René Dumont, einer der Gründer von MediaworkX.

Bis aus einer guten Idee aber Kontakte oder gar konkrete gemeinsame Projekte der Hochschulen mit Firmen entstehen, vergeht meist einige Zeit. Die Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP), der die Bürogebäude im WIP gehören, bemüht sich, die Kommunikation zwischen den Unternehmen, der Universität und der Fachhochschule zu verbessern. „Wir sprechen und schreiben viele Professoren einzeln an, um den Kontakt zu halten“, beschreibt Norman Habermann von der EGP das Problem. Von einigen würde er sich mehr Initiative und weniger Skepsis wünschen.
Als eine Art Kontaktbörse können Unternehmer und interessierte Professoren auch die von der EGP organisierten Treffen nutzen. Die Eröffnung der Gebäude im Wissenschaftspark, von denen seit 2004 jährlich eins fetiggestellt wird, ist beispielsweise eine gute Gelegenheit, sich gegenseitig kennen zu lernen. Sie wird aber leider nur von wenigen Universitätsangehörigen genutzt. Dafür gibt es an der Universität Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Kontakte zur Praxis zu knüpfen. Eine davon ist „Contact and Cooperation“. Der Verein arbeitet zwar auch mit ortsansässigen Unternehmen zusammen, die meisten Firmen im WIP sind aber noch zu klein, um die gewünschten größeren Projekte auf die Beine zu stellen.
Dennoch gibt es eine klare Verbindung zwischen der Universität und dem WIP: Die Praktikanten auf dem Petrisberg kommen häufig von der Uni. Die räumliche Nähe ist vorteilhaft, weil interessierte Unternehmen ihre Praktika am Schwarzen Brett oder über die Transferstelle der Uni ausschreiben können und die Studenten es nicht weit zu ihrem Praktikumsplatz haben. So sind sogar Praktika während des Semesters meistens kein Problem mehr.
Vertraglich festgelegt ist die Kooperation zwischen der Universität und dem Wissenschaftspark nicht. Eine konkrete Zusammenarbeit ergibt sich hauptsächlich auf der Basis von persönlichen Kontakten zwischen den Unternehmern im WIP, Professoren und Studierenden. Aufgrund der räumlichen Nähe und weiterer Firmengründungen aus dem Umfeld der Hochschulen ist jedoch das Potenzial vorhanden, die bestehenden Kooperationen auszubauen.
Text: Katrin Peters
Fotos: Judith Köhler, Katrin Peters