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Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter

Die historische Ausstellung auf der Landesgartenschau präsentierte zum ersten Mal eine Auswahl der erst im Frühjahr 2004 wieder entdeckten Bilder aus dem Kriegsgefangenenlager auf dem Petrisberg der Öffentlichkeit. Zu sehen sind die Gefangenen, die Lager-Baracken und das Wachpersonal – ein bedrückender Einblick in ein Lagerleben gezeichnet von Krieg, Hunger und Zwangsarbeit.

Französische Kolonialtruppen waren auf dem Petrisberg im Kriegsgefangenenlager interniert.
Französische Kolonialtruppen waren auf dem Petrisberg im Kriegsgefangenenlager interniert.

Mit der Einrichtung des STALAG XII D (Straf- und Arbeitslager) zu Beginn des Krieges 1939 nutzten die Nationalsozialisten das heutige Gelände der Landesgartenschau rein militärisch. Im Februar 1941 saßen in den Baracken 5.860 meist französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ein. Darunter auch der Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre. Neben der Hauptstelle auf dem Petrisberg waren dem Lager Aussenstellen in Limburg, Frankenthal, Wiebelsheim, Metz und Forbach angeschlossen. Insgesamt hatte man 24.690 Kriegsgefangene der Hauptstelle Trier im Frühjahr 1941 unterstellt. Bis zur Befreiung des Lagers durch die Amerikaner im Jahr 1945 waren es auf dem Petrisberg wahrscheinlich noch mehr, wie die Aufnahmen der alliierten Truppen von Gelände und Gebäuden vermuten lassen.

Gestapo und Fluchtversuche

Französischer Kriegsgefangener
Französischer Kriegsgefangener

Überwacht von der Wehrmacht lebten die Gefangenen in den engen Räumen der Baracken ohne sanitäre Anlagen. Die Enge und die hygenischen Zustände waren vermutlich Hauptgründe für die zahlreichen Fluchtversuche der Gefangenen, wie Briefe der Gefangenen und Berichte aus dem Lager zeigen. Im Mai 1941 schafften auf einen Schlag 75 Männer die Flucht über den Stacheldraht. Nachdem sie sich im Tal Zivilkleidung besorgt hatten, gelang ihnen die rettende Flucht mit den Güterzügen Richtung Igel über die luxemburgische Grenze. Dort, so heißt es in den Dokumenten weiter, half man den Entflohenen um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Kein einmaliger Vorgang: Auch Jean-Paul Sartre und weitere Gefangene schafften mit gefälschten Papieren die Flucht aus dem STALAG.

Kein Vergleich zu den Konzentrationslagern

Stacheldraht

Wie die Arbeiter in Trier und Umgebung eingesetzt wurden und was genau im Lager auf dem Petrisberg stattfand, bedarf der historischen Aufarbeitung. Die Fotografien, die im Zusammenhang mit der Ausstellung auf der Landesgartenschau wieder aufgefunden wurden, sind ein weiterer Schritt der Dokumentation über die Rolle Triers im Nationalsozialismus. Im Vergleich, so Dr. Frank Hirschmann, Privatdozent für Geschichte an der Universität Trier und Kurator der historischen Ausstellung, sei das Lager weniger streng und unmenschlich wie die Konzentrationslager. Aber Zustände wie 400 Menschen in einem Barrackenraum ohne sanitäre Anlagen, Mangelernährung und Zwangsarbeit geben einen Einblick in die Unmenschlichkeit des Krieges. Ironie des Schicksals: Nach dem Sieg der Allierten wurden deutsche Soldaten im selben Lager inhaftiert. 

Text: Daniel Conrad
Fotos: Stadtarchiv Trier, wikipedia.de